SV Opfingen AH – SV Waltershofen AH
0:1 (0:0)

Derbysieg mit bitterer Pille
Nicht die angekündigten Schwülegewitter waren es, die am Vatertagsvorabend gegen halb neun krachend über das Altherren-Derby in Opfingen hereinbrachen. Vielmehr entfuhr das fürchterliche Geräusch Marco Müllers Schulter, der einen zweikampfbedingten Tiefflug mit einer Bruchlandung vollendete. Allen Anwesenden war schlagartig klar: subkapitale Humerusfraktur! Oder wie es nach der Bestätigung durch die Röntgenaufnahmen auch treffend bezeichnet wurde: Arm am Arsch! Eine bittere Pille für die Alten Herren des SVW, die sich auf den wochenlangen Ausfall ihres Siegtorschützen des Abends einstellen müssen. Und eine noch bitterere für Marco persönlich, der nun auf Vieles verzichten muss. Urlaub, Auto fahren, kicken, einarmige Liegestütze mit links.
Nun ja, abgesehen von diesem unglücklichen Vorfall, lief der Abend für die Waltershofener ganz rund. Bereits beim Treffen und der gemeinsamen, ökologisch einwandfreien Anreise per Fahrrad war die Stimmung gut und man konnte die eigene Nervosität und die unterschwellige Ehrfurcht vor dem Gegner mit ein paar plakativen Parolen überspielen. Hannes zumindest hatte in Opfingen noch nie verloren. Im Nachbarort angekommen, ließ man dann eine deutliche Fokussierung auf das Wesentliche erkennen. Der Gipfel der Konzentration war erreicht, als die letzten Teammitglieder samt Bierglas den Weg von der Clubheimterrasse in die Katakomben gefunden hatten. Der Einheitsdress wurde übergestreift und man ging zur taktischen Ausrichtung über, von der man sich den gewinnbringenden Unterschied für die kommenden 2 x 40 Minuten erhoffte. Hannes gelang es dabei zum wiederholten Male, seine ausgereiften taktischen Überlegungen in motivierende Ansagen zu verpacken und somit die Spielanlage der Blau-Weißen auf ein noch höheres Level zu heben.
Auf dem Platz standen sich nun endlich, nach gefühlt jahrelanger Planung, die Roten und die Blau-Weißen gegenüber und es lag ein Hauch von Rivalität in der Luft. Hier muss jetzt hervorgehoben werden, dass die Partie jederzeit fair geführt und von dem einheimischen Referee exzellent geleitet wurde, was für ein Spiel dieser Kategorie nicht ganz selbstverständlich sein dürfte. Die erste Hälfte war also von der Taktik geprägt. Bei etwas mehr Ballbesitz auf Opfinger Seiten neutralisierte man sich nahezu im Mittelfeld. Kein Team war bereit, das Risiko frühzeitig zu erhöhen, um entschiedener auf einen Führungstreffer zu drängen. Dennoch blickten die Waltershofener beim Pausentee auf zwei, drei aussichtsreiche Schusschancen zurück und ärgerten sich, dass sie den Kasten der Hausherren noch nicht zum Klingeln gebracht hatten. Allgemeine Zufriedenheit herrschte allerdings über die disziplinierte Spielart, mit der die Gutmann-Elf das lädierte Spielfeld zunehmend unter ihre Kontrolle gebracht hatte. Folgende Gladiatoren waren an diesem Abend für den SVW im Einsatz. Die Leuchtmontur und die Handschuhe trug Enzo L., das Zentrum der Defensive besetzten der hochmotivierte Manuel H., Derbymanager Stefan W. und ergänzend Treffpunkt-Chiller Florian A., die Außenbahnen wurden bearbeitet von AH-Debütant Lukas D. und Routinier Reini G. auf der rechten sowie dem wieder genesenen Richard M. und Käptn Frank G. auf der linken Seite. Das Mittelfeld komplettierten die Zugezogenen Hannes L. und Thomas R. und die Allzweckwaffe Volker M. hinter den Knipsern Florian H., Marco M. und Frank „the special one“ S.. Erstaunlich, aber nicht unbekannt war dabei, dass diese hochkarätige Truppe es wieder einmal verstand, die eigene Dominanz durch eine fragwürdige Wechselpraxis ins Wanken zu bringen.
Im zweiten Durchgang wollten beide Teams die Entscheidung herbeiführen. Während sich auf beiden Seiten mehr Gelegenheiten ergaben, die Abwehrreihen unter Druck zu setzen, machte die SVW-Bande Nägel mit Köpfen. Florian fand den auf dem Flügel lauernden Reini, der mustergültig auf Marco weiterleitete, welcher in einem Rausch von Torjägerinstinkt zu einem trockenen Flachschuss ansetzte und dem Keeper des SVO keine Chance mehr ließ. Der Bann war gebrochen. 0:1 aus Opfinger Sicht. In der Folge schien zunächst das Gästeteam weiter am Drücker zu bleiben und auf einen  Ausbau der Führung zu drängen. Nachdem aber im letzten Drittel die Präzision für weitere Treffer nicht ausreichte und man, von wenigen Aktionen abgesehen, auch nicht mehr gefährlich in die Box (Fußball-Neudeutsch für Sechzehnmeterraum) kam, hielt die Partie für die Blau-Weißen nur noch einen negativen Höhepunkt bereit. Den tragischen Niedergang des Goalgetters. Nach dem Schock war auch Opfingen nicht mehr in der Lage, Kapital aus seiner Schlussoffensive zu schlagen. Ein letzter Freistoß, der hart an der Grenze zum Strafstoß rangierte, verpuffte kurz vor Abpfiff. Für die Waltershofener Akteure und ihre zahlreich mitgereisten Anhänger stand ein weiterer Derbysieg zu Buche, der die Tunibergkrone noch ein bisschen heller glänzen lässt.
Als man nach einem ausgiebigen Shakehands einträchtig mit den Unterlegenen den Platz verließ, wurde bei Pechvogel Marco gerade die Narkose eingeleitet. Das per Strohhalm verabreichte Flüssiganästhetikum hielt ihn bei Laune, bis sich am Horizont der Notarzt mit Blaulicht ankündigte. Seinen Mitstreitern blieb nur, den Rest des Abends für ihn mitzufeiern, was bei gekonnter Bewirtung durch die engagierten Gastgeber wunderbar gelang. Die Heimreise wurde zwar erst zu fortgeschrittener Stunde angetreten, dennoch ließen es sich die Männer nicht nehmen, dem 1. Vorsitzenden noch persönlich die frohe Kunde vom Auswärtssieg und verspätete Geburtstagsgrüße zu überbringen.
In der Stunde des Erfolgs ist es der Mannschaft außerdem ein Anliegen, sich bei den Opfinger Gastgebern für die Einladung zu bedanken und bei allen mitgereisten Unterstützern fürs Anfeuern. Außerdem gehen ganz herzliche Genesungswünsche an den bayrischen Sturmtank und ein bisschen Selbstlob durch die eigenen Reihen.
Aufstellung:
E.L’Altrella
F.Gutmann, M.Hercher, F.Amrein, St.Weidner
R.Glöckler, H.Leistert, Th.Rees, L.Dombrowski, R.Maier, V.Müller
F.Hug, F.Strohbach, M.Müller
Torschütze: M.Müller

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