AH-Turnier in Kirchzarten

Viel Licht, ein bisschen Schatten und die Verteidigung des Schinkenspecks

Eines der Jahreshighlights wartete am vergangenen Samstag auf die Waltershofener Alten Herren in Kirchzarten. Das traditionelle Ü35-Hallenturnier im Dreisamtal ist seit dem letzten Winter wieder fest im Wettkampfkalender der Blau-Weißen verankert. Kein Wunder, hatte man doch damals einen ansehnlichen Schinkenspeck erspielt, den es nun, 2018, zu verteidigen galt.
Das Tuniberg-Team hatte die Reise ans andere Ende Freiburgs in bärenstarker Besetzung angetreten und war fest entschlossen, den Heimweg erneut mit einer schmackhaften Trophäe anzutreten. Verglichen mit dem Aufgebot vom Vorjahr gab es wenige personelle Änderungen in der Gutmann-Truppe, die sich jedoch sowohl in der Kaderbreite als auch qualitativ bemerkbar machten. Einen gelernten Torhüter von internationaler Klasse konnte man mit Enzo L’Altrella präsentieren, nachdem ein erneuter Ausfall wegen anstehender Malerarbeiten ausgeschlossen worden war. Des Weiteren rückten Edeltechniker und Fußballästhet Jochen Kern sowie Nachwuchstalent Marco Müller in die Mannschaft, wobei man sich erst nach mehrfachem Studium der Regularien darauf festlegte, dass Letzterer die geforderte Altersgrenze tatsächlich überschritten hatte und somit spielberechtigt war. Bereits die zweite Teilnahme feierten außerdem Motivator und Abwehrchef Manuel Hercher, Mittelfeldmotor und strategischer Leiter Hannes Leistert, Rechtsaußen Volker Müller, Mister Fifty-Fifty Frank Strohbach, Routinier Stefan Weidner und Aushilfskäpt‘n Thomas Rees. Lediglich der kürzlich zur Lichtgestalt aufgestiegene Teammanager Frank Gutmann selbst konnte terminbedingt nicht in der neuerlichen Schlacht um den Schinkenspeck mitwirken.
Bis in die Haarspitzen motiviert ging das Waltershofener Geschwader in die erste Partie der Vorrunde. Als Formation gegen den FC Waldkirch hatte man sich für eine Doppeloffensive mit eingebautem Umschaltreflex vor einer Doppeldefensive und mitspielendem Torwart entschieden, was über die Spielzeit von 12 Minuten hervorragend aufging und dem SVW einen 4:0 Auftaktsieg bescherte. Analog zu dem dominanten Auftritt auf dem spiegelglatten Geläuf, nahm die mitgereiste blau-weiße Wand die Zuschauertribüne ein und sorgte für ausgelassene Stimmung in der Halle. Um es mal neu-deutsch auszudrücken: Manch gegnerisches Team schien anlässlich der Performance und des Supports der Tuniberger weiche Knie zu bekommen. Leider nicht die Oldies des SV Kirchzarten. Als zweiter Gegner des SVW verstanden sie es, die eigene Hälfte konsequent dicht zu machen und recht abgeklärt die Zeit von der Uhr laufen zu lassen. Sinnvollerweise hatte Hannes am Taktikbrett ebenfalls eine eher abwartende Marschroute ausgegeben, damit man nicht übereifrig ins offene Messer lief. Als bei Ertönen des Schlusspfiffs allerdings ein 0:0 auf der Anzeigetafel leuchtete, machte sich unter den Gäste-Akteuren doch das Gefühl breit, nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. Entsprechend nachdenklich versammelte man sich im Kreis der Fans und Familien um die Tabellenkonstellation und die Chancen auf den Einzug ins Halbfinale zu analysieren. Es half ja alles nichts, gegen Hölzlebruck musste ein Sieg eingefahren werden, damit man sicher weiterkam und gleichzeitig als Gruppenerster dem Favoriten und Seriensieger FSV Stegen im folgenden K.O.-Spiel aus dem Weg gehen konnte. Es ging schließlich immer noch um den Schinkenspeck. Den Worten folgten Taten. 5:1 wurden die Gelben im dritten Rundenspiel nach Hause geschickt, womit die SVW-Kicker ein erneutes Ausrufezeichen setzten und den Laola schwingenden Fanblock in Extase versetzten. Vollste Zufriedenheit machte sich breit, hatte man doch das letztjährige Abschneiden deutlich übertroffen und das intern vereinbarte Minimalziel erreicht.
Nach kurzer Erholungspause stand man also im Halbfinale den sympathischen Sportfreunden aus Oberried gegenüber und ließ auch hier zunächst keinen Zweifel an der Überlegenheit des kampfstarken, fußballerisch versierten und taktisch hervorragend eingestellten Haufens vom Tuniberg. In den ersten sechs Minuten drohte man die Dreisamtäler sogar an die Wand zu spielen und schenkte ihnen drei wunderbar herausgespielte Tore ein. Dann jedoch kam es zu Bruch im Spiel der Waltershofener. Grundlos gab man die Partie aus der Hand, indem man die eigene Linie verlor, den Gegner durch halbherzige Aktionen stark machte und sowohl dem stark mitspielenden Torhüter als auch dem quirligen Knipser der Sportfreunde viel zu viel Raum ließ. Dramatische Szenen spielten sich in den Schlusssekunden ab, nachdem man die fast schon geschlagenen Oberrieder zum 3:3 hatte ausgleichen lassen. Die Kombination aus fehlender Cleverness und unzureichender mannschaftlicher Abstimmung im SVW-Verbund ermöglichte es dem Gegner, den Ball noch ein letztes Mal vor Enzos Kasten querzuschieben und wenige Augenblicke vor Schluss den Siegtreffer zu markieren. Mit hängenden Köpfen blieb den Männern vom Breikeweg nichts anderes übrig als sich aufmunternde Worte bei den Fans abzuholen und wenig später das Match um Platz drei erneut gegen die Weiß-Blauen aus Waldkirch anzutreten. Zwischenzeitliche Überlegungen, das Duell im Neunmeterschießen auszutragen, wurden bald verworfen. Die Gutmann-Bande ging aufgrund des Vorrundenergebnisses und Ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit zumindest auf der Bank wieder als Favorit ins Spiel. Leider konnte man nach dem Halbfinalschock nicht mehr an die vorherigen Leistungen anknüpfen und musste den diesmal souverän auftretenden Waldkirchern nach einer 0:1 Niederlage einen wohlverdienten Podiumsplatz zugestehen. Die Luft war raus und alle Waltershofener erst einmal damit beschäftigt, das diesjährige Abschneiden in das Spektrum der eigenen Ansprüche einzuordnen. Vierter Platz, Licht und Schatten. Gratulationen gingen an die dritt- und zweitplatzierten Teams aus Waldkirch und Oberried, sowie die verdienten Turniersieger aus Stegen.
Der üblichen Praxis der Turnierverarbeitung folgend, widmete man sich schließlich den Kaltgetränken und fand dadurch auch recht schnell wieder zurück zur Heiterkeit. Einen versöhnlichen, und letztendlich doch hocherfreulichen Abschluss fand das Turnier für die SVW-Familie dann, als die Mannschaft der Anhängerschar das Objekt der Begierde präsentieren konnte. Da war nämlich das Ding. Ein Schinkenspeck! 2,168 kg! Wieder! Yes!
Die Planungen für ein zünftiges Kabinenfest mit Schwarzwälder Vesper wurden sofort in Gang gesetzt und im Rahmen eines großen gemütlichen Abendessens mit fast allen Beteiligten ließ man einen aufregenden Wettkampftag harmonisch ausklingen. Auf ein Neues, im Januar 2019.

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