ASV Merdingen AH – SV Waltershofen AH
2:3 (2:0)

AH gewinnen hitziges Derby in Merdingen
Soviel vorweg: Es brauchte am späten Mittwochabend zahlreiche Kaltgetränke, um die erhitzen Gemüter nach dem Tuniberg-Klassiker zwischen den Alten Herren des ASV Merdingen und dem SV Blau-Weiß Waltershofen wieder herunterzukühlen. Beim Abpfiff waren längst nicht alle Protagonisten glücklich vom Platz gegangen, was jedoch nur teilweise am Endergebnis der Partie lag. Ein hochverdienter 3:2 Sieg für die Gäste aus Waltershofen stand zu Buche, nachdem sich über 2 x 40 Minuten ein durchwachsenes Spiel mit spannenden, kuriosen, amüsanten und sehenswerten, aber auch wilden Szenen ereignet hatte. Die Stimmen nach dem Spiel ließen einigen Unmut erahnen. „Alli zwanzig Johr jinger.“, „Du hesch doch provoziert.“, „Seller Hug kennt noch logga in de Erschde kigge.“, „Zuzogeni halt.“ waren die Kommentare der Gastgeber. Die Blau-Weißen hingegen beschäftigten sich eher mit Fragen wie „Wer hatte das Spiel eigentlich angefragt?“, „Hänna noch Wirschd?“ und „Müssen wir wirklich wieder über den Berg radeln?“.
Dabei hatte der Abend doch so harmonisch begonnen. Die SVW-Kicker hatten sich zum gemeinsamen Warm-Up per Fahrrad getroffen und waren geschlossen auf dem Sportgelände Kleinsteinen einpedaliert. Aufgrund der Sperrung des Stadionrasens hatte man zwar mit dem Trainingsplatz Vorlieb nehmen müssen, der stand jedoch in sattem Grün. Zumindest da, wo Gras drauf war. Je nach Position, die man im Spiel zu besetzen hatte, konnte man sogar ein Schattenplätzchen ergattern. Die äußeren Bedingungen passten also.
Die Waltershofener begannen mit einer Viererkette, bestehend aus den Innenverteidigern Manuel und Florian und den Außenspielern Stefan und Frank, die unter Manuels Kommando möglichst lange die Null halten wollten. Davor agierte die Doppelsechs aus Hannes und Thomas mit der Flügelzange Volker, Reinhard, die den Stoßstürmer Marco und die hängende Spitze Florian H. in Szene setzen wollten. Zwischen den Pfosten war Enzo aufgestellt, der bereits wenige Minuten nach Spielbeginn kalt erwischt wurde. Die in rot-blau spielenden Hausherren waren eigentlich schwer damit beschäftigt, die Offensive der frisch aufspielenden Gästen von der Tunibergvorderseite in Schach zu halten, als sie ihrerseits einen Stürmer einsetzen konnten. Unverhofft an den Ball gekommen, zirkelte der Merdinger Angreifer das Ei sehenswert in Enzos Kasten, leider ermöglicht durch allzu passive Gegenspieler. Und als sei ein 0:1 nach fünf Minuten noch nicht ernüchternd genug, luden die Blau-Weißen nach weiteren fünf Minuten zum 0:2 ein. Eine Bogenlampe aus zwanzig Metern fand den Weg ins Gehäuse, nachdem man erneut halbherzig und damit glücklos versucht hatte, die Heimelf vom Strafraum fern zu halten. Auf Seiten des SVW hatte man jetzt erstmal den Salat und bemühte sich nun um neue Rezepte für einen erfolgreichen Auftritt. Hinten wurde auf klassische Manndeckung mit Libero umgestellt, wovon man sich weiteres Übergewicht im Mittelfeld versprach. Die neu hergestellte Ordnung wurde allerdings ihrem Namen nicht lange gerecht. Zwar rückten mit Mark, Jochen, Benjamin und Albrecht frische Kräfte nach, doch das gesamte Team tat sich an diesem Abend enorm schwer, Positionen konstant zu besetzen, klar und sauber zu kombinieren und gefährlich vor das gegnerische Tor zu rücken. Sollten die Alten Herren aus Merdingen ihre aktuelle Serie von nicht verlorenen Spielen etwa gegen den Erzrivalen fortsetzen können? Fairerweise verzichteten die Hausherren auf einen falsch gepfiffenen Strafstoß, den sie nach einem Duell mit dem Torhüter zugesprochen bekommen hatten.
In Hälfte zwei wollte Waltershofen den Spieß umdrehen und die Verhältnisse am Tuniberg wieder gerade rücken. Doch zunächst blieb die angestrebte Ordnung noch aus. Das Spiel beider Mannschaften wirkte bisweilen konfus und in den Vordergrund des Geschehens traten nun immer mehr die Nickligkeiten, die schon in der ersten Halbzeit ihren Ursprung hatten. Sowohl auf dem Feld als auch in den Lagern an der Außenlinie keimte eine aggressive Stimmung auf, die sich in manch hart geführtem Zweikampf und manch hitzigem Wortgefecht äußerte. Drohungen, Beleidigungen, Anschuldigungen und Spott verliehen der Begegnung zwischenzeitlich echten Derbycharakter. Der Heimschiedsrichter aus Merdingen hatte nun alle Hände voll zu tun und war nicht mehr zu beneiden. Dennoch leitete er die Partie weiterhin besonnen und bewies mehrmals gutes Fingerspitzengefühl. Sportlich trat nun besonders Goalgetter Florian Hug ins Rampenlicht, der sein Team mit einem lupenreinen Hattrick in einer halben Stunde auf die Siegerstraße brachte. Obwohl er zuvor ungestüm von den Beinen geholt worden war und man eine verletzungsbedingte Auswechslung befürchtet hatte, kam er zurück und packte drei fulminante Schüsse zur 3:2 Führung aus. Die Merdinger Niederlage war damit besiegelt, wenngleich die Gästeoffensive mittlerweile Ton angebend auftrat und das Ergebnis gerne deutlicher gestalten wollte. Einige knappe Abseitsentscheidungen fielen aber noch zu Gunsten der Rot-Blauen.
Die Dusche war redlich verdient und mit dem Regenerationsbier wurde gleich auf dem Rasen angestoßen. Dass die Analyse des Spiels durch die verschiedenen Vereinsbrillen unterschiedlich ausfallen musste, war dann auch jedem klar. Letztendlich kann aber auch festgehalten werden, dass zumindest der nächtliche Scheidebecher von zahlreichen Vertretern beider Teams gemeinsam getrunken wurde und der knappe SVW-Sieg sicher in Ordnung geht.
Wer weiß, ob und wann die nächste Auflage des Tuniberg-Klassikers stattfinden wird…

Aufstellung:
E.L’Altrella
F.Strohbach, M.Hercher, Florian, St.Weidner, M.Arenz
R.Glöckler, H.Leistert, Th.Rees, J.Kern, V.Müller, A.Stiefvater
M.Müller, F.Hug, B.Fuchs
Torschütze: F.Hug (3)

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